Erasmus + 2018 – 20: „Konflikt-Management, emotionale Intelligenz und Mobbing-Prävention“

Erasmus

Erfahrungsbericht zur Erasmus+ Fortbildung von Simon Schilling

Vom 19­. – 23.11.2018 verbrachte ich innerhalb des Erasmus+ Programms lehrreiche Fortbildungstage in Barcelona. Mein Thema war Konflikt- Management, emotionale Intelligenz und Mobbing- Prävention vor dem Hintergrund des Umgangs mit heterogenen Klassen.

Neben den theoretischen Inhalten, die verständlich vermittelt wurden, arbeitete ich in einem griechisch-tschechisch-italienischen Kollegen-Team[1] an verschiedenen Fall-Beispielen ganz praktisch daran, wie wir z.B. emotionale Intelligenz in der Schule anwenden und von ihr profitieren können. Besonders beeindruckend fand ich, wie umfassend weltweit an Schulen auf ganz unterschiedliche Weise zu den oberen Themenbereichen bereits gearbeitet wird – und natürlich wird das auch von staatlicher Seite angemessen gefördert.

So ist mir ein Fall-Beispiel einer indischen Schule in Erinnerung geblieben, in der Schüler einen Tag lang das Thema Empathie praktisch kennenlernen sollten. Doch wer jetzt denkt, dass die (wohlhabenden) Kinder nach indischem Vorbild etwa Yoga oder Meditation übten (das tun viele im Unterricht ohnehin), liegt falsch. Vielmehr war es deren Aufgabe, die Arbeit von sozial benachteiligten indischen Kindern zu simulieren, die täglich Räucherstäbchen herstellen müssen. Das ist eine gängige Form der Kinderarbeit in Indien.

Die privilegierten Kinder wurden vor dem Experiment befragt, wie sie zu den Menschen stehen, die diese Arbeit ausführen bzw. welche Haltung sie ihnen gegenüber haben. Danach fingen sie an, selbst das exotisch duftende Räucherwerk einen Tag lang herzustellen. Sie mussten genauso lange auf dem Boden sitzen und die Stäbchen drehen wie die benachteiligten Kinder und bekamen auch nur dasselbe und genauso viel zu essen und zu trinken wie ihre armen Landsleute. Auch deren Pausen wurden auf den Alltag der die Räucherstäbchen herstellenden Kinder abgestimmt und die Stimmen der Lehrer waren auch nicht mehr herzlich-kooperativ, sondern rau und schroff wie die der Aufseher, die die Arbeit der Kinder im realen Leben beaufsichtigen.

In der nächsten Schulstunde fand eine Feedback-Runde statt, in der die Kinder von ihren „neuen“ Erfahrungen berichten sollten. Die Schüler begriffen nun sehr genau, wie es ist, nicht nur im Hier und Jetzt sozial benachteiligt zu sein, sondern ohne Chance auf ein besseres Leben aufzuwachsen und ohne Würde behandelt zu werden. In jedem Fall verstanden sie das Ziel dieses Experiments: Sie konnten sich durch ihre praktische Arbeit wirklich in die benachteiligten Kinder emotional hineinversetzen und reagierten folglich mit viel mehr Verständnis für deren Situation als vor dem Experiment. Für mich war das eine gelungene Demonstration dafür, wie junge Menschen zu mehr Toleranz und Verständnis füreinander erzogen werden können.

Wäre diese Form des Lernens nicht auch eine Möglichkeit, um unseren Schülern mehr Empathie beizubringen, mit dem Ziel, das Konfliktpotential innerhalb heterogener Lernvoraussetzungen abzumildern?  Nein, in dieser radikalen Form, denke ich, ist das nicht sinnvoll. Aber es gibt andere Wege, die weniger drastisch sind und auch für unseren Kulturkreis sinnvoll gegangen werden können, um die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler hin zu mehr Gemeinschaftssinn und Toleranz zu unterstützen. Eben diese Förderung zu forcieren, wird für die Schule in Zukunft noch wichtiger, da andere Einrichtungen des sozialen Lebens (Vereine, Feuerwehr, Kirche etc.) immer weniger solche Aufgaben im praktischen Leben übernehmen, weil die Kinder immer weniger Teil dieser Gemeinschaften werden (siehe SZ-online vom 09.11.18: Wer soll nun die Kinder lehren? https://www.sueddeutsche.de/bildung/schule-grundschule-lehrer-eltern-werte-toleranz-1.4203114 (07.03.19)).

Neben der Fortbildung durfte ich es auch genießen, mich auf europäischer Ebene mit verschiedenen Kollegen auszutauschen – und das auch noch an einem Ort, an dem ich mich ohnehin sehr wohl fühle. Allen, die das ermöglichten, d.h. Frau Lindenlaub, Frau Flößer und natürlich Frau Blankenhorn und Herr Kleiner als genehmigende und die Erasmus-Idee unterstützende Leiter unserer Schule, sage ich: „DANKE!“


[1] Zur einfacheren Verständlichkeit wird nur die männliche Form gewählt. Es sind jedoch immer alle Geschlechter gemeint.

Menü